DGB-Jugend bekennt Farbe - 1. Mai auf dem Domshof
»Gute Arbeit muss drin sein«, so das Motto der diesjährigen Maidemonstrationen der Gewerkschaften. Der Auftakt zu den Protesten in Bremen findet traditionell am Vorabend mit dem Tanz in den Mai auf dem Domshof statt. Am 1. Mai zieht dann der Demonstrationszug vom Osterdeich in die Innenstadt zur Maikundgebung des DGB.
Auch die DGB-Jugend war natürlich wieder mit ihrem Jugendblock und dem Jugendzelt auf dem Domshof mit dabei. Nicht zum ersten Mal fiel die Jugend dabei aus dem Rahmen. Dieses Jahr war präsentierte sie sich und ihre Themen in einem tiefroten Pavillon, der sich deutlich von den weißen Zelten der Einzelgewerkschaften abhob. Wie üblich war das Zelt sowohl am Abend als auch während der Kundgebung am 1. Mai gut besucht.
Besonderes Anliegen der Gewerkschaftsjugend in diesem Jahr dabei: die Initiative »
Ausbildung für alle« sowie das
Europäische Sozialforum, das in diesem September unter starker Beteiligung der europäischen jungen GewerkschafterInnen in Malmö (Schweden) statt findet.
Ausbildungsplatzumlage jetzt!
Vanessa von Bothmer wies in ihrem Redebeitrag für die DGB-Jugend darauf hin, dass, von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, an der Abschaffung der dualen Berufsausbildung gearbeitet wird. Mit der sog. »Modularisierung« soll nach dem Baukastenprinzip eine Schmalspur-Berufsausbildung eingeführt werden, die qualitativ meilenweit vom gegenwärtigen Stand der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule entfernt liegt.
Adrian Klock nahm auf die skandalöse Situation der über 300.000 jungen Menschen auf Ausbildungsplatzsuche Bezug, die teilweise seit Jahren in Maßnahmen und sog. »Warteschleifen« vergeblich auf einen richtigen Ausbildungsplatz »vorbereitet« werden. Dabei ließ er es an Deutlichkeit nicht fehlen: »Seit Jahren werden diese Jugendlichen von der Politik und der Wirtschaft verarscht! Diesen Jungen Leuten wird in einem der reichsten Länder der Welt die Chance auf eine menschenwürdige Zukunft geraubt. Sie müssen sich verhöhnt vorkommen, wenn sich die Regierung weigert, endlich zu handeln und stattdessen auf die freiwillige Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen setzt.« Diesen falle allerdings oftmals nichts besseres ein, als den drohenden Fachkräftemangel zu beklagen. »Da kann ich nur sagen: Liebe Leute, dann bildet gefälligst aus!«, so Klock weiter. »Für uns steht fest, dass der „Ausbildungspakt“ gescheitert ist. Wir fordern daher, dass Unternehmen die nicht ausbilden zur Kasse gebeten werden!«
Rechte Trittbrettfahrer!
Zum Abschluss sendete die Gewerkschaftsjugend ein Grußwort zu den KollegInnen nach Hamburg, die sich dort im Stadtteil Barmbek dem Aufmarsch der NPD entgegenstellten. Wie in den vergangenen Jahren versuchten die Rechten, den 1. Mai und die Soziale Frage national-sozialistisch zu besetzen.
Die Gewerkschaften ließen dies nicht zu, so die beiden RednerInnen. Sie würden weiterhin überall deutlich machen, »dass wir dieses Land den Faschisten, Rassisten oder Antisemiten nicht überlassen werden. Wir stellen uns diesem braunen Sumpf entgegen, auf der Straße, am Arbeitsplatz oder in der Disko um die Ecke.«
Mit Bezug auf die Diskussion um das Verbotsverfahren gegen die NPD stellten sie schließlich fest: »Wir streiten für diese Demokratie. Wir erwarten aber auch, dass diese Demokratie sich gegen Neonazis und Rechtsradikale wehrt! Die NPD muss verboten werden. Denn eins steht fest, Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! In diesem Sinne wünschen wir euch noch einen schönen 1. Mai!«
"Tausende in unnützen Warteschleifen"
Viele Zuhörer am Tag der Arbeit auf dem Domshof / DGB prangert geringe Zukunftschancen von Jugendlichen an
Von unserer Redakteurin
Rose Gerdts-Schiffler
BREMEN-MITTE. Vor mehreren Hundert Zuhörerinnen und Zuhörern zog gestern die DGB-Regionsvorsitzende Helga Ziegert am Tag der Arbeit auf dem Domshof eine kämpferische Bilanz: Die Rednerin widersprach dem Wahlkampfslogan der CSU "Sozial ist, was Arbeit schafft". "Sozial ist eine Arbeit nur, wenn sie nicht krank macht, den Menschen gut absichert, ihn erfüllt und sie anständig bezahlt wird."
Bei strahlendem Sonnenschein erinnerte die Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes daran, dass im Land Bremen rund 12000 Frauen und Männer trotz einer Arbeitsstelle Sozialleistungen beantragen müssten. Die Debatte über den Mindestlohn griff Herbert Grimberg, Landesvorsitzender der NGG (Gewerkschaft-Nahrung-Genuss-Gaststätten) in seinem Redebeitrag auf: 7,50 Euro pro Stunde dürfe als Mindestlohn nicht unterschritten werden. Im Osten der Republik würden jedoch Niedriglöhne von 5,40 Euro gezahlt. Mit Blick auf die Deutsche Bank auf dem Domshof griff Grimberg die "Neiddebatte" auf. In den vergangenen zehn Jahren sei die Vergütung der Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank um 600 Prozent gestiegen. Ein "Irrsinn", der Arbeitnehmern die Zornesröte ins Gesicht treiben müsse. Ins gleiche Horn stieß Helga Ziegert: Über 15 Prozent der Beschäftigten in Bremen arbeiteten im Niedriglohnsektor und unter unwürdigen Bedingungen.
Auf der einen Seite sei Arbeit wieder gefragt, Fachkräfte würden dringend von vielen Betrieben gesucht und die Zahl der Arbeitslosen sei auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Doch auf der anderen Seite, so Helga Ziegert, würden über 60 Prozent der neu geschaffenen Stellen Leiharbeit sein, erhielten ältere Arbeitssuchende oft nicht einmal eine Absage auf ihre Bewerbung und würden Tausende von jungen Leute in Maßnahmen "geparkt", die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht vergrößerten.
Bremen spalte sich immer mehr in einen reichen und in einen armen Teil auf. Lebe doch in manchen Quartieren der Stadt bereits jedes zweite Kind in Armut. Vanessa von Bothmer und Adrian Klock von der DGB-Jugend hoben in ihren Beiträgen hervor, dass viele Jugendliche keinerlei Chance auf eine menschenwürdige Zukunft hätten. "Unsere Ressourcen in Deutschland sind Ausbildungsplätze und keine Bodenschätze", appellierte Vanessa von Bothmer an die Arbeitgeber, künftig verstärkt auszubilden. Und Adrian Klock forderte: "Betriebe, die dies nicht tun, sollen zahlen." Die Arbeitgeber, die über Fachkräftemangel klagten, müssten sich an die eigene Nase fassen. Schließlich hätten sie es versäumt, in der Vergangenheit genügend Nachwuchs auszubilden. Helga Ziegert erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass jeder 10. Schüler in Bremen die Schule ohne einen Abschluss verlasse.
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Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Bremer Nachrichten Seite: 16 Datum: 02.05.2008
Tausende beteiligten sich an DGB-Demo
BREMEN-MITTE (ROG). Demonstranten zählen ist eine Wissenschaft für sich: In unserem gestrigen Artikel über die 1. Mai-Kundgebung des DGB auf dem Domshof dürften die Angaben über die Teilnehmerzahl aber deutlich zu niedrig gewesen sein. Wie die Bremer Polizeipressestelle auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, hatten sich an dem Demonstrationszug rund 5500 Menschen beteiligt. Ein großer Teil von ihnen lauschte anschließend auch den Reden der Gewerkschaftsvertreter zum 1. Mai auf dem Domshof.
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Bremer Tageszeitungen AG 2008







