DGB Jugend Niedersachsen und Bremen - 21.05.2012
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Ausländische Jugendliche in der Sackgasse

Dieser Workshop im Rahmen des Infotages rund um Ausbildung und Mitbestimmung konzentriert sich auf die Frage, wie finden jugendliche Ausländer verstärkt wieder Chancen auf dem Ausbildungsmarkt bzw. warum sich ihre Chancen in den letzten Jahren rapide verschlechtert haben.

Der Workshop setzte sich zusammen aus Auszubildenden,  Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen und einer Lehrer/in von der Schule Zentrum und Beruf und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter, der den Workshop leitete.

Nach dem die statistischen Daten zur Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt für ausländische Jugendliche als Einleitung erläutert wurden, begann die Diskussion zu diesem brisanten Thema.

Zunächst wurden eigene Gedanken zu dem Thema gesammelt und nach den Schwerpunkten Wege zum Abbau von Vorurteilen und Verbesserung der Lehrstellenangebote unterteilt. 

Viele Einflüsse in der Gesellschaft verstärken Vorurteile gegenüber den ausländischen Mitbürgern, davon sind auch  ausländische Jugendliche betroffen. Es bedarf deshalb Wege Vorurteile abzubauen, in dem mehr Aufklärung über unterschiedliche Kulturen, Rituale und Mentalitäten erfolgt. Dies sollte von schulischen Ausbildung bis hin zu Weiterbildungsmaßnahmen gehen. Die im Ausbildungsprozess beteiligten Personen ( Meister, Ausbilder, Lehrkräfte usw. ) sind in diesem Prozess einzubinden. Dieser interkultureller Weg  könnte die Einstellung von Ausbildungsbetrieben gegenüber ausländischen Mitbürgern verändern, so dass die Bereitschaft vermehrt Auszubildende mit Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz anzubieten, verbessert wird.

Ein weiterer Schritt ist der Ausbau von Ausbildungsplätzen in der Wirtschaft.

Die Ausbildung von Jugendlichen und Heranwachsenden bedeutet für die Zukunft gut ausgebildete Arbeitskräfte zu haben. Der Nutzen dieser Bildungsinvestition für die Gesellschaft ist eine wichtiger Faktor zur Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und gibt den Jugendlichen und Heranwachsenden Perspektiven für ihre Lebensplanung.

Die vielen Ideen und Anregungen  der Teilnehmer/innen haben insgesamt diesen Workshop sehr belebt und dazu beigetragen, das gemeinsam Ergebnisse erarbeitet wurden.

Die Erfahrungen der Teilnehmer/innen bei der Ausbildungsplatzsuche sowohl positiv als auch negativ flossen in diese Thematik hinein, was ebenfalls zu

einer regen Diskussion beitrug.

Für den nächsten Workshop wäre zu überlegen, ob nicht ausländische Jugendliche und Jugendliche ohne Migrationshintergrund gemeinsam über ihre Erfahrungen bei der Lehrstellensuche diskutieren. Es sollte dadurch eine gemeinsame Grundlage gebildet werden, die zu einem Dialog zwischen den Jugendlichen bezogen auf ihre Erfahrungen führt und aufzeigt, welche gesellschaftlichen Barrieren bei der Lehrstellensuche bestehen und wie sie zu überwinden sind.

 

 

1. Berufliche Perspektiven für ausländische Jugendliche

Situation auf dem Ausbildungsmarkt für ausländische Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland.

 

Jahr Auszubildende gesamt davon ausländische Auszubildende Anteil in Prozent 
1995 1.579.339 121.312 7,7 % 
2003 1.581.629 79.205 5,0% 
Veränderung + 2.290 - 42.107  
In % +0,1 % - 34,7 %  

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung  (BiBB) ; Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Fachserie 11, Reihe 3 berufliche Bildung, eigene Berechnungen

 

Situation auf dem Ausbildungsmarkt für ausländische Jugendliche im Bundesland Bremen

Jahr Auszubildende gesamt davon ausländische Auszubildende Anteil in Prozent 
1995 15.224 1.257 8,3 % 
2003 14.838 878 5,9 % 
Veränderung - 386 - 379  
In % - 2,5 % - 30,2 %  

Quelle: Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe 2005 , Statistisches Landesamt Bremen, Berufsbildungsstatistik, eigene Berechnungen

Die berufliche Perspektiven haben sich für ausländische Jugendliche in den letzten Jahren stark vermindert:

Gründe:

 

  • Es bilden immer weniger Betriebe aus.
  • Es sind mehr Lehrstellenbewerber als Ausbildungsplätze vorhanden.
    Insolvenzen bei den Betrieben haben zugenommen, was einen zusätzlichen Abbau von Lehrstellen bedeutet.
  • Zunahme einer strengeren Bewerberauswahl bei den Ausbildungsbetrieben
  • Vorurteile gegenüber benachteiligten Jugendlichen verstärken sich und diese Gruppe von Jugendlichen bleibt bei der Lehrstellensuche auf der Strecke.
  • Jugendliche Ausländer erhalten trotz guter Schulabschlüsse von den Ausbildungsbetrieben  immer weniger die Chance auf einen Ausbildungsplatz.
 

 

2. Schulabschlüsse

Schulabschluss von ausländischen Jugendlichen 1999

 

Realschule 

29,00 % 
Abitur 11,00 % 
Hauptschule 35,00 % 
Gesamt 81,00 % 

Nur 39,00% der ausländischen Jugendlichen mit Schulabschluss erhalten einen Ausbildungsplatz, obwohl sich die schulische Qualifizierung verbessert hat.

Quelle: Qualifizierungspotenziale in Deutschland nutzen: Jugendliche mit Migrantionshintergrund und berufliche Ausbildung, Fachtagung Darmstadt 2005, Seite 4

 

Schulabschlüsse von Auszubildende, die 2001 eine duale Ausbildung in handwerklich orientierten Berufen begonnen haben ( Ergebnisse einer Studie )

Schulabschlüsse in % Auszubildende Gesamt N = 660 Auszubildende mit Migrationshintergrund N = 146 
ohne Schulabschluss 3,79 % 5,48 % 
Hauptschulabschluss 23,64 % 27,40% 
erweiterter Hauptschulabschluss 30,15 % 26,71 % 
Realschulabschluss 28,64 % 26,03 % 
erweiterter Realschulabschluss 7,27 % 6,85 % 
Abitur 2,58 % 4,11 % 
Fachabitur 3,48 % 2,74 % 
sonstige Schulabschlüsse 0,45 % 0,68 % 
Gesamt in % 100,00 % 100,00 % 

97,3 % der befragten Auszubildenden hatten  einen Schulabschluss, davon knapp 90,0% einen Abschluss der Hauptschule, der erweiterten Hauptschule, der Realschule und der erweiterten Realschule. Bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund  hatten 94,5 % einen Schulabschluss, davon 87,0%  einen der vier am meisten genannten Schulabschlüsse.

Quelle: Befragung von jugendlichen Auszubildenden im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie an fünf Bremer Berufsschulen von 2001, Akademie für Arbeit und Politik an der Universität Bremen, Projekt: Bleib dran

 

Noten in den Fächern Deutsch und Mathematik von Auszubildenden, die an der Befragung von 2001 – 2004 teilnahmen.

 

Durchschnittsnoten im Fach Deutsch

zeitliche Verläufe Auszubildende gesamt Auszubildende ohne Migrationshintergrund Auszubildende mit Migrationshintergrund 
Probezeit 3,06 3,06 3,07 
Zwischenprüfung 2,93 2,85 2,74 
Abschlussprüfung 2,77 2,74 2,96 

 

Durchschnittsnoten im Fach Mathematik

zeitliche Verläufe Auszubildende gesamt Auszubildende ohne Migrationshintergrund Auszubildende mit Migrationshintergrund 
Probezeit 2,93 2,96 2,83 
Zwischenprüfung 2,93 2,90 3,10 
Abschlussprüfung 2,80 2,84 2,54 

Hinweis: Die Noten in den Fächern Deutsch und Mathematik zur Probezeit beziehen sich auf das letzte Schulzeugnis, die Noten während der Zwischenprüfung und Abschlussprüfung auf die Zeugnisnote der Berufsschule.

Quelle: Befragung von jugendlichen Auszubildenden im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie an fünf Bremer Berufsschulen von 2001 bis 2004 , Akademie für Arbeit und Politik an der Universität Bremen, Projekt: Bleib dran

 

 

3. Notwendige Veränderungen in der Gesellschaft, um Vorurteile abzubauen:

Vorurteile bestehen wegen:

  • sozialer Herkunft
  • einem anderen Kulturkreis

  • einer anderen Sprache

  • einer anderen Religion

  • einem anderen Aussehen

  • angeblich geringe Anpassung an die bestehenden gesellschaftlichen Normen

  • Zugehörigkeit zu einer benachteiligten gesellschaftlichen Schicht

Vorurteile gegenüber jugendlichen Ausländern

 

  • schlechte Sprachkenntnisse

  • allgemein schlechte schulische Ausbildung

  • niedriges Bildungsniveau

  • nicht lernfähig- und anpassungsfähig

Die schulische Qualifizierung hat sich bei den jugendlichen Migranten in den letzten Jahren verbessert. Das Qualifikationsniveau ist nahezu identisch mit den deutschen Schülern, so dass die Qualifikation keinen Ablehnungsgrund darstellen kann.

 

 

Wege zum Abbau von Vorurteilen

 

  • Mehr Wissensvermittlung über andere Kulturen in allen gesellschaftlichen Bereichen ( Schule, Betrieb, Verbände usw. ), damit mehr Verständnis auf beiden Seiten entsteht.

  • Weiterbildung über andere Kulturen für Lehrkräfte, Ausbilder, Betriebsinhaber, Ausbildungsberater bei den Kammern usw.

  • Aufbau und Ausbau von Netzwerken für die Verbesserung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der Ausbildungsplatzsuche.

  • Ausbau sprachlicher Förderung während der schulischen Ausbildung und in der Berufsausbildungsphase.

  • Verbesserung von Kommunikationsstrukturen , um kulturelle Unterschiede zu verstehen, die das Zusammenarbeiten erleichtern.

  • Entwicklung einer Konfliktlösungskultur für Auszubildende ,Ausbilder, Firmeninhaber sowie Lehrkräften durch das Erlernen von sozialen Kompetenzen. Schon in der Sekundarstufe 1 sollten den Schüler und Schülerinnen Konfliktlösungsmöglichkeiten und das Erlernen sozialer Kompetenzen als Unterrichtseinheit angeboten werden. Dies ist eine gute Vorbereitung für das spätere Berufsleben, zumal von den Betrieben gegenüber den Mitarbeitern immer mehr Teamfähigkeit verlangt wird.

  • Praktikum zum gegenseitigen Kennenlernen und zum besseren Verständnis zwischen den ausländischen Jugendlichen und den möglichen Ausbildungs- betrieben.

  • Ausbildungsbetriebe, die verstärkt ausländische Jugendliche einstellen und eine qualifizierte Berufsausbildung anbieten, durch Öffentlichkeitsarbeit hervorheben. Dies könnte zu einem Nachahmungseffekt bei anderen Betrieben führen.

Vorurteile beruhen oft auf mangelnde Kenntnisse, gesellschaftliche Einflüsse und sozialen Spannungen, die durch sachliche Informationen und Kommunikation überwunden werden sollten. Durch gegenseitiges Kennen lernen der kulturellen Vielfältigkeiten lassen sich Vorurteile reduzieren, so dass eine bessere Zusammenarbeit möglich wird.

 

 

4. Steuerungselemente zum Ausbau von Lehrstellen

  • Die Betriebe direkt ansprechen, damit sie verstärkt Lehrstellen anbieten.

  • Anbieten von Hilfestellung für Betriebe, die zum ersten Mal ausbilden ( Formalitäten abnehmen ), damit sie Ausbildungsplätze einrichten.

  • Externe Beratung anbieten, wenn Ausbildungskonflikte entstehen, so dass Ausbildungsabbrüche vermieden werden.

  • Verbundpartner suchen, damit Ausbildungsinhalte komplett für Auszubildende während der Berufsausbildung angeboten werden.

  • Mehr Aufklärung über Jugendliche mit anderem kulturellen Hintergrund, um Vorurteile bei den Ausbildungsbetrieben abzubauen.

  • Auf den Bedarf von gut ausgebildeten Nachwuchskräften für die Zukunft verweisen, damit Betriebe wieder verstärkt ausbilden.

  • Eine Ausbildungsquote für ausländische Jugendliche einführen, damit sie größere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben ( politisch schwer zu realisieren ).

  • Die Eltern und verschiedene betriebliche Interessenvertreter in den Prozess für mehr Ausbildungsplätze einbeziehen, weil es um die Zukunft von jungen Menschen geht, und das bedeutet eine gesellschaftliche Herausforderung.

 


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