Wir waren nicht viele, dafür aber weit zu hören! Ca. 500 Schüler_innen und Studierende demonstrierten gestern in der Innenstadt von Hannover gegen den schleichenden Abbau der Bildung. 3 Teilnehmer fotografierten Zivilbeamte - und wurden festgehalten. Ein kurzer Beitrag.
Marode Klassenräume, bei denen es von der Decke tropft und die so überfüllt sind, dass die Luftqualität Körperverletung ist; Kopiergeld für Unterrichtsmaterialien - oft bis zu 10 Euro pro Halbjahr und SchülerIn, da kommt bei einer vierzügigen Schule schnell mal eine große Summe zusammen!
IGS-Plätze, die viele Eltern bevorzugen, um ihren Kindern ein wenig Luft zu verschaffen, sind total überlaufen und nach der Schule geht dann das Gerangel um einen Ausbildungs- oder Studienplatz weiter.
Und dagegen sind am 22.06. ca 500 DemonstrantInnen, aufgerufen von den Gewerkschaftsjugenden, dem Stadtschülerrat, dem ASTA, der SDAJ und vielen anderen sozialen Bewegungen, losgezogen vor das Rathaus, das Wissenschafts- und das Kultusministerium, um deutlich zu machen, was wir von so einer Politik halten, die jugendpolitische Interessen für eine Randerscheinung hält. Nur mal zur Erinnerung: Bei der nächsten Wahl gilt das Wahlalter 16!
Deutschland liegt im OECD-Vergleich zur sozialen Gerechtigkeit auf Platz 22 von 31 (und schneidet auch sonst eher so mittelmäßig ab) - und auch, wenn wir, wie Christian Bartel einst sagte, "bildungspolitisch da liegen, wo die Zitronen blühen" - "Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht" (Heinrich Heine).
Es ist ein Armutszeugnis, wenn eine der reichsten Gesellschaften der Welt es nicht schafft, alle junge Menschen zu bilden und zu fördern, so dass Teilhabe für alle möglich ist - und gleichzeitig von Fachkräftemangel und dem Gespenst der Demographie zu reden!
Und dann kommt noch dazu: Als eines von 4 Bundesländern erhebt Niedersachsen Studiengebühren. Da bleibt nur noch zu sagen: Wer studieren will, tu das bitte woanders - zum Beispiel in unserem
Landesbezirk Sachsen-Anhalt. Ist auch ganz schön. Und wer noch im Bildungskreislauf drin steckt: engagiert euch. Der Stadtschüllerrat ist großartig! Dabei kann mensch sich wenigstens mal Luft machen, wenn die Schule auch sonst keinen Raum dafür lässt.
Übrigens hat die Demo für einige Teilnehmende noch ein Nachspiel gehabt: Bei der Abschlusskundgebung wurden auf einmal jugendliche Teilnehmende der Demo eingefangen und ihre Personalien wurden aufgenommen, so dass sie nicht mehr an der Kundgebung teilnehmen konnten - weil sie Zivilbeamte fotografiert haben. Ohnehin war es eine gefühlte 1:1-Betreuung durch die Polizei. Wer hat da eigentlich so Angst vor SchülerInnenstreiks? Dient das der Vermittlung von Demokratie?
ps: mehr Bilder gibt es bei der HAZ:
Hier ein paar Eindrücke