Dienstag, 22. November 2005, 19 Uhr; Kino Lumiere, Geismar Landstr.19
Malte Ludin hat sich mit der Kamera an die eigene Familiengeschichte gewagt: Sein Vater Hanns Elard Ludin, überzeugter Nationalsozialist und SA-Führer, wurde 1947 in Bratislava als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die familieninterne Wahrheit über den Vater ist die Legende vom „edlen Nazi“, der im Grunde nur ein Soldat war...
Aus der Perspektive des „Täterkindes“ stellt der Filmemache die Fakten der väterlichen Vergangenheit den in der Familie kursierenden Legenden und Lügen entgegen. Nach Jahren des Beschweigens sind jetzt alle bereit zu reden: Die Schwestern, Schwager, Nichten und Neffen. Der Film erzählt eine typisch deutsche Geschichte von Wahrheit und Verdrängung.
Nach dem Film gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit Malte Ludin (Regisseur) und Prof. Dr. Gabriele Rosenthal (Uni Göttingen), die intensiv Tradierungen von nationalsozialistischer Vergangenheit erforscht hat – sowohl innerhalb von Opfer- als auch Täter-Familien. Ihre Studie „Der Holocaust im Leben von 3 Generationen“ ist ein zentrales Werk in der Biographieforschung zu diesem Thema.

