Wir dokumentieren einen Text der Ver.di-Jugend Göttingen verdijugendgoettingen.blogsport.de
Wer von Elite redet – muss von Diskriminierung schweigen?
Am 14.11.2009 ereignete sich auf dem Parkplatz der Universität Göttingen, gegen 15.10 Uhr ein rassistisch motivierter und brutaler Überfall auf eine Studentin muslimischen Glaubens. Die Täter konnten entfliehen und werden seitdem gesucht. Auch wird der/die Fahrer*in eines blauen VW Polo älteren Baujahres gesucht, der oder die während des Überfalls am Tatort vorbeifuhr. Über die „Erfolgsquoten“ derartiger polizeilicher Fahndungen muss hier nicht debattiert werden – zumal die einzige Person, die den Überfall gesehen haben muss, nicht in Erscheinung tritt und sich feige ihrer Pflicht zur Hilfe entzogen hat!
Für Viele aus unserem Umfeld erscheint ein derartig brutaler Überfall unbegreiflich: Wie kann es sein, dass sich Rassismus am helligten Tag auf dem Universitätsgelände von seiner brutalsten Seite zeigen kann – an einem Tag an dem die gesamte Stadt Göttingen auf Grund der Gedenkveranstaltungen zum Todestag von Conny Wessmann eher Alcatraz ähnelt als einer Universitätsstadt!?
Aber Rassismus ist bei Weitem nicht die einzige Form der Diskriminierung, welche sich auf dem Platz der Göttinger Sieben ausbreitet: Am 26.10.2009 etwa wurde eine Trans*Person/Lesbe von einer Unbekannten als „Missgeburt“ beschimpft und angerempelt, woraufhin ein: „Es passiert nicht selten, dass Mannweiber wie Du nachts tot auf der Straße gefunden werden!“ folgte!
Unbegreiflich bleibt aber auch Folgendes: Die Universitätsleitung macht bis dato keinerlei Anstalten, sich öffentlich zu dem Überfall zu äußern! Keine Erklärungen der Hilfe bei der polizeilichen Aufklärung, keine Bekundungen des Mitgefühls und vor allem: Kein Wort über den sich ausbreitenden Rassismus auf dem Göttinger Campus durch die Universitätsleitung! Hierzu fordern wir Kurt F., den Senat und die Mitglieder des Stiftungsrates eindringlich auf! Wir sehen eine derartige Erklärung als unbedingt notwendig und als ein Zeichen der Auseinandersetzung mit rassistischen und/oder
transphoben/sexistischen Entwicklungen auf dem Campus in Göttingen.
Beide Übergriffe stehen in direkter Verbindung: Diskriminierung in Form von Rassismus, Sexismus, Transphobie u.a. machen sich unbehelligt in der Öffentlichkeit des Göttinger Campus breit. Rechtes Gedankengut und Sexismus, vertreten unter anderem durch die hohe Anzahl an Burschenschaftlern auf dem Göttinger Campus, machen auch vor der Universität nicht Halt – das ist nicht Neues. In einer derartig brutalen und offenen Form, zeigt sich die Diskriminierung jedoch selten.
Die Göttinger Studierenden, Schüler*innen und Auszubildenden, ebenso wie die gesamte Göttinger Öffentlichkeit, fordern wir daher zu selbstbewusster Zivilcourage und einem offenen Entgegentreten gegen jedwede Form von Diskriminierung auf! Wegschauen ist keine Option – sondern Mittäterschaft!
Keine Rassisten und Sexisten auf dem Göttinger Campus und anderswo! Für eine weltoffene, demokratische und plurale Gesellschaft!