Weihnachtsmarktaktion 2005 der DGB Jugend
Wir haben uns zu einer Aktion am 6. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt entschlossen, um auf die miserable Ausbildungssituation in Deutschland aufmerksam zu machen. Drei Schwerpunkte bildeten den Fokus:
- Hoher Mangel an Ausbildungsplätzen/u>
Es ist Fakt, dass in der Bundesrepublik Deutschland etwa nur 30% der ausbildungsfähigen Betriebe ausbilden. Das hat zur Folge dass nur ca. 47% eines Bewerberjahrganges betrieblich ausgebildet werden. - Kürzung von Azubi-Gehältern/u>
Jugendliche benötigen ein Einkommen zum Auskommen, gerade weil die Arbeitgeber von den Azubis heutzutage Flexibilität im Beruf verlangen. (Umzug, Mobilität) Zudem tragen sie zum Betriebsgewinn bei. - Ausbildungsbedingungen: Jugendgerecht?
/u>Immer mehr Azubis müssen Schichtarbeit und unbezahlte Mehrarbeit leisten. Häufig lassen Ausbildungsmaterialien und die betriebliche Betreuung zu wünschen übrig.
Mittelpunkt der Aktion waren knallrote Stolpersteine, die wir ausgelegt hatten um auf die Erschwernisse bei der Ausbildungssuche und während der Ausbildung aufmerksam zu machen. Dazu haben wir passend zum Nikolaustag Azubiplätzchen in Form von Glückskeksen und Traubenzucker verteilt. Die Glückskekse bringen Glück für die Ausbildungssuche und der Traubenzucker dient als Energielieferant für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz dienen. Zu jedem Themenschwerpunkt haben wir Gruppen gebildet, die über den Weihnachtsmarkt zogen. Die Stolpersteine bildeten die Basis-Station.
Natürlich haben wir für diese Aktion Flyer entworfen. Diese wurden dann verteilt, um den Interessierten die wichtigsten Daten mit auf den Weg zu geben. Es entstanden konstruktive Diskussionen mit Interessierten und es gab viel Zuspruch von Menschen allen Alters ohne Ausbildungsplatz, das hat uns bestätigt! Zugleich offenbarte sich uns, dass solche Aktionen weiter erforderlich bleiben, um den BürgerInnen die miserable Ausbildungssituation zu verdeutlichen.
Kaum hatten wir aufgebaut, zwang uns eine polizeiliche Anweisung dazu, den Standort zu wechseln. Budenbesitzer hatten die Polizei gerufen, da sie um ihr Weihnachtsmarktgeschäft bangten! Wir ließen uns nicht entmutigen und konnten die Aktion im Bereich vor dem Rathaus weiterführen.
Von Julia F. IGM-j
Bilder von der Aktion
Pressemitteilung zu der Aktion:
Alle Jahre wieder
Gewerkschaftsjugend macht sich stark für mehr Ausbildungsplätze und Qualität in der Ausbildung
Nichts ist unmöglich, jeder der will erhält einen Ausbildungsplatz! Doch wie soll das gehen, wundert sich Julia Funke (Vorsitzende des Ortsjugendaussschusses der IG Metall in Bremen), bei bundesweit 740688 jungen Menschen die sich 2005 auf 421961 Ausbildungs-plätze beworben haben. In Bremen ist laut Agentur für Arbeit die Zahl der Ausbildungsplätze bis Ende September 2005 um 6% auf 4178 Ausbildungsstellen zurückgegangen. Demgegenüber stehen 5796 Jugendliche, 8,2% mehr als im Vorjahr, die sich über die Agentur für Arbeit als Ausbildungsbewerber gemeldet haben.
Fakt ist: viele Jugendliche landen in Warteschleifen, sprich Berufsqualizifierungsmaßnahmen, Höheren Handelsschulen usw. auf dem Weg ins Berufsleben.
Dazu kommt, dass namhafte Ausbildungsbetriebe wie Daimler Chrysler planen weitere Ausbildungsplätze in den nächsten Jahren abzubauen, was zu einer Verschärfung der Situation führt.
Ausbildungsplatz gefunden - alles gut?! Leider nicht. Die Auszubildenden sind selten richtig über ihre Rechte und Pflichten informiert und üben oft völlig ausbildungsfremde Tätigkeiten aus, so Sabine Herold (DGB-Jugendbildungsreferentin). Das Schwarzbuch Ausbildung der DGB-Jugend hat 77 Fälle aus dem Alltag von Auszubildenden dokumentiert. (
www.dgb-jugend.de) Ein Mangel an pädagogisch geschultem Ausbildungspersonal hat ebenso Auswirkungen auf die Ausbildungsqualität. Die fatalste Folge sind Ausbildungsabbrüche.
Auch das oftmals vorgebrachte Argument Auszubildende verdienen zu viel, entpuppt sich schnell als Farce. Junge Menschen finden keinen Ausbildungsplatz in der Wohnortnähe der Eltern, sind so gezwungen flexibel zu sein und sich mit einem Azubigehalt, dass unterhalb der Armutsgrenze liegt zu finanzieren.
Auf diese Situation macht die Gewerkschaftsjugend am 6.12. ab 16.30 Uhr mit einer Aktion auf dem Weihnachtsmarkt aufmerksam. Mit Stolperkisten, Leerstellenkarten, Ausbildungsplätzchen und ähnlichem geht es um die Themen verschlechterte Ausbildungsbedingungen, Azubivergütung und fehlende Ausbildungsplätze.








